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Die Laktoseintoleranz gehört zu den häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten. In Deutschland sind zwischen zehn und zwanzig Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Erfahren Sie in unserem Ratgeber, was eine Laktoseintoleranz ist, wie sie sich auswirkt und was Sie dagegen tun können.

Was ist Laktoseintoleranz?

Von Menschen, die unter einer Laktoseintoleranz leiden, werden Milch und Milchprodukte schlecht oder überhaupt nicht vertragen. Nach dem Verzehr stellen sich mehr oder weniger stark ausgeprägte Darmprobleme wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall ein.

Die Ursache der Erkrankung besteht in einem Mangel des Darmenzyms Laktase, dessen Aufgabe darin besteht, Milchzucker zu verdauen. Es befindet sich in den Zellen der Dünndarmoberfläche. Milchzucker (Laktose) ist ein sogenannter Mehrfachzucker, der sich aus den Einfachzuckern Glukose und Galaktose zusammensetzt. Vom Körper kann Laktose nur dann verwertet werden, wenn sie in diese beiden Bestandteile aufgespalten wird. Wenn nicht ausreichende Mengen Laktase vorhanden sind, wandert der Milchzucker unverdaut in tiefere Darmabschnitte. Im Dickdarm wird er von Bakterien verarbeitet, wobei sich verschiedene Gärungsprodukte – unter anderem Kohlendioxid, Wasserstoff und kurzkettige Fettsäuren – bilden. Durch die Ansammlung dieser Stoffe im Darm entstehen die typischen Laktoseintoleranz-Symptome.

Wie beginnt Laktoseintoleranz?

Laktoseintoleranz tritt in verschiedenen Formen auf. Ein Laktasemangel kann angeboren sein – die Anzeichen einer Laktoseintoleranz machen sich dann bereits im Säuglings- oder frühen Kindesalter bemerkbar. Ebenso kann er im Lauf des Lebens durch verschiedene Darmerkrankungen erworben werden.

Angeborene oder primäre Laktoseintoleranz

Einer primären Laktoseintoleranz liegen genetische Faktoren zugrunde. Während in Deutschland rund zehn Prozent mit einem Laktasemangel zur Welt kommen, sind es in Asien und Afrika über 90 Prozent.

Bei der kongenitalen Form eines angeborenen Laktasemangels machen sich die Laktoseintoleranz-Symptome bereits bei Neugeborenen bemerkbar. In der Medizin wird diese Form einer primären Laktoseintoleranz als Durand-Holzel-Syndrom bezeichnet, dieses Syndrom ist allerdings sehr selten. Davon betroffene Kinder sind von Anfang an auf eine laktosefreie Ernährung angewiesen.

Bei der adulten Variante einer primären Laktoseintoleranz fährt der Körper die Produktion des Enzyms Laktase im Zeitverlauf überdurchschnittlich stark zurück. In den ersten Lebensmonaten – während der Stillzeit – erzeugt der Körper von Säuglingen besonders viel Laktase. Wenn sich der Milchkonsum verringert, wird die Reduktion der Enzymproduktion allmählich reduziert. Wenn hierbei eine kritische Grenze unterschritten wird, treten Anzeichen von Laktoseintoleranz auf.

Erworbene oder sekundäre Laktoseintoleranz

Eine erworbene Laktoseintoleranz kann in jedem Lebensalter entstehen. Ihre Ursache besteht in entzündlichen Darmerkrankungen, die zu einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut führen. Hierdurch kann die Produktion von Laktase beeinträchtigt oder unterbunden werden.

Erkrankungen, die eine Laktoseintoleranz bewirken können, sind beispielsweise:

  • Magen-Darm-Infektionen
  • Magen-Darm-Operationen
  • Lambliasis (Giardiasis): eine durch Darmparasiten hervorgerufene Form der Ruhr
  • Zöliakie: eine genetisch bedingte Unverträglichkeit gegenüber dem Getreideprotein Gluten
  • Morbus Crohn: eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die vermutlich den Autoimmunreaktionen zuzurechnen ist

Außerdem können verschiedene Medikamente wie Antibiotika oder Chemotherapeutika zum Auslöser einer sekundären Laktoseintoleranz werden.

Wenn die Grunderkrankung therapiert wird, erholt sich hierdurch möglicherweise auch der Darm, sodass die Laktoseintoleranz-Symptome nur zeitlich begrenzt auftreten. In anderen Fällen bleibt der Laktasemangel dauerhaft bestehen.

Wie äußert sich Laktoseintoleranz bei Erwachsenen?

Bei Erwachsenen äußert sich eine Laktoseintoleranz durch eine Reihe typischer Magen-Darm-Beschwerden. Intensität und Dauer der Symptome sind individuell unterschiedlich. Hier wirken sich die zugeführte Menge an Laktose sowie die Ausprägung des Laktasemangels aus. Einige Patienten berichten, dass die Beschwerden nach einer Darmentleerung – oft in Form von Durchfall – schnell abklingen. Bei anderen ziehen sie sich über mehrere Tage hin. Zu berücksichtigen ist hier, dass der Darm nach der Aufnahme von Laktose eine bestimmte Erholungszeit benötigt.

Symptome Laktoseintoleranz

Eine Laktoseintoleranz verursacht neben typischen Symptomen zum Teil unspezifische Beschwerden. In beiden Fällen ist ein Laktoseintoleranz-Test wichtig, um andere, möglicherweise gefährliche, Erkrankungen als Ursache der Beschwerden sicher auszuschließen.

Typische Laktoseintoleranz Symptome

Die häufigsten Symptome bei einer Laktoseintoleranz sind:

  • Blähungen
  • Bauchschmerzen
  • Unwohlsein
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Kalter Schweiß

Mögliche unspezifische Anzeichen Laktoseintoleranz

Daneben kann eine Laktoseintoleranz eher unspezifische Symptome verursachen. An das mögliche Vorliegen einer Laktoseintoleranz sollten Patienten und ihr Arzt oder ihre Ärztin auch bei den folgenden Beschwerden denken:

Wenn ein Laktasemangel und seine Folgen bereits über einen längeren Zeitraum bestehen, jedoch bisher nicht durch einen Laktoseintoleranz-Test nachgewiesen wurden, treten die Magen-Darm-Beschwerden in der Wahrnehmung der Patienten häufig in den Hintergrund. Oft werden dann psychische Ursachen für das gestörte Wohlbefinden angenommen. Erst ein Laktoseintoleranz-Test bringt Klarheit darüber, wodurch sie verursacht werden, und ermöglicht, die richtige Behandlung einzuleiten.

Welche Medikamente helfen bei Laktoseintoleranz?

Kurativ behandeln lässt sich eine Laktoseintoleranz nicht. Die Therapie zielt darauf ab, die damit verbundenen Beschwerden abzumildern und die Aufspaltung von Laktose zu unterstützen. Im Fokus steht dabei eine laktosefreie oder laktosearme Ernährung. Da der Körper durch eine stark ausgeprägte Laktoseintoleranz und gegebenenfalls einer schlecht eingestellten Diät über den Darm größere Mengen an lebenswichtigen Mikronährstoffen verliert, wird der Arzt in der Regel zu zusätzlichen Gaben von Vitaminen – insbesondere Vitamin C sowie den Vitaminen des B-Komplexes –, Mineralien wie Zink und Calcium sowie Elektrolyten raten.

Wann müssen Sie Laktase-Tabletten nehmen?

Laktase-Tabletten ermöglichen die Aufspaltung und Verwertung von Milchzucker bei einer bestehenden Laktoseintoleranz. Sie werden in unterschiedlichen Darreichungsformen angeboten. Neben Laktoseintoleranz-Tabletten, -Kapseln und -Dragees sind Laktase-Pulver oder Pulver-Sticks auf dem Markt erhältlich. Dem Körper wird durch diese Präparate das fehlende Enzym Laktase zugeführt, sodass der Konsum laktosehaltiger Lebensmittel möglich ist.

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Damit Laktoseintoleranz-Tabletten wirken, muss die darin enthaltene Menge an Laktase mindestens der verzehrten Menge an Milchzucker entsprechen. Die Dosierung erfolgt individuell. Patienten mit einer Laktoseunverträglichkeit müssen hier ausprobieren, welche Wirkstoffmenge sie benötigen. Die Tabletten werden direkt vor einer laktosehaltigen Mahlzeit eingenommen. Beachten Sie, dass Laktoseintoleranz-Tabletten bei Temperaturen über 60 Grad Celsius ihre Wirksamkeit verlieren.

Wie stellen Sie fest, ob Sie eine Laktoseintoleranz haben?

Ein Laktasemangel wird sicher durch einen Laktoseintoleranz-Test nachgewiesen. Ein Selbsttest zu Hause kann der erste Schritt zu dieser Diagnose sein, jedoch sind parallel oder im Anschluss daran eine ausführliche ärztliche Anamnese sowie ein medizinischer Laktoseintoleranz-Test nötig.

Ein Laktoseintoleranz-Test ist in verschiedenen Varianten möglich:

  • H2-Atemtest: Messung des Wasserstoffgehalts der Atemluft
  • Bluttest: Messung des Blutzuckerspiegels
  • Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Dünndarm
  • Gentest: nur bei Verdacht auf einen angeborenen Laktasemangel

Wenn der Laktoseintoleranz-Test als Atem- oder Bluttest vorgenommen wird, erfolgt dieser vor und nach der Einnahme einer größeren Menge Laktose. Durch den Abbau der Laktose im Dickdarm wird Wasserstoff erzeugt. Durch die Messung der vorhandenen Wasserstoffmenge lässt sich zusätzlich der Grad der Laktoseintoleranz bestimmen. Der Bluttest beruht darauf, dass sich durch eine störungsfreie Aufspaltung von Laktose der Blutzuckerspiegel erhöhen würde. Ein Laktoseintoleranz-Test, der beide Verfahren kombiniert, liefert ein sehr zuverlässiges Ergebnis. In der Praxis wird diese Kombination daher sehr häufig vorgenommen.

Bei welchem Arzt können Sie Laktoseintoleranz testen?

Wenn Sie vermuten, dass Sie unter einer Laktoseintoleranz leiden, sollten Sie zunächst mit Ihrem Hausarzt darüber sprechen. Ein Laktoseintoleranz-Test ist grundsätzlich auch in einer allgemeinmedizinischen Praxis möglich. Für eine weiterführende Diagnostik wird Ihr Hausarzt Sie jedoch oft an einen Internisten oder einen Gastroenterologen (Facharzt für Erkrankungen des Verdauungstrakts) überweisen, der dann den Laktoseintoleranz-Test durchführt.

Welche Lebensmittel bei Laktoseintoleranz?

Laktose kommt ausschließlich in Milch und daraus hergestellten Lebensmitteln vor. Wer von einer Laktoseintoleranz betroffen ist und auf diese bestimmten Lebensmittel verzichtet, muss also nicht mit durch den Laktasemangel hervorgerufenen gesundheitlichen Beschwerden rechnen. Allerdings wird vielen verarbeiteten Lebensmitteln – beispielsweise Wurstwaren, Fertigprodukten, Gebäck, Konserven oder Süßigkeiten – Laktose zugesetzt, um ein höheres Gewicht und Volumen zu erzielen. Auch viele fettreduzierte Nahrungsmittel werden mit Laktose als Geschmacksträger angereichert, da die Kalorienmenge durch Milchzucker kaum vergrößert wird.

Wie viel Milchzucker bei einem Laktasemangel noch vertragen wird, gestaltet sich sehr unterschiedlich. Einige Patienten mit einer Laktoseintoleranz sind auf laktosefreie Lebensmittel – weniger als 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm – angewiesen, um beschwerdefrei zu bleiben. Andere vertragen bis zu einem Gramm Laktose pro 100 Gramm des jeweiligen Lebensmittels, ohne Symptome zu entwickeln.

Laktosefreie Lebensmittel

Leiden Sie an einer Laktoseintoleranz, gibt es eine Vielzahl an Lebensmitteln, die Sie ohne Bedenken verzerren können. Zu den laktosefreien Lebensmitteln zählen unter anderem:

  • Obst und Gemüse
  • Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte
  • Eier
  • Getreide
  • Reis
  • Natürliche Fette und Pflanzenöle

Bei Brot, Wurst und vielen anderen Produkten gibt ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe Aufschluss, ob und wie viel Laktose darin enthalten ist. Bei Lebensmitteln, die unverpackt vom Bäcker oder Metzger kommen, hilft eine entsprechende Nachfrage bei den Anbietern weiter.

Inzwischen haben viele Hersteller laktosefreie Produktvarianten auf den Markt gebracht. Hierzu gehören beispielsweise Milchalternativen auf pflanzlicher Basis. Auch dunkle Schokoladen mit einem Kakaogehalt von mindestens 60 Prozent, Gummibärchen oder Marzipan sind laktosefrei. Viele reife Käsesorten – beispielsweise Appenzeller, Edamer, Camembert oder Gorgonzola – enthalten ebenfalls kaum Laktose, da der Milchzucker während des Reifeprozesses in Milchsäure umgewandelt wird.

Wichtig: Wenn zu den Inhaltsstoffen eines Lebensmittels Milcheiweiß, Milchsäure, Laktat (Lactat) oder Milchsäurebakterien gehören, handelt es sich dabei nicht um Laktose. Falls ein verpacktes Lebensmittel mit dem Hinweis auf mögliche „Spuren von Laktose“ versehen ist, dient dies der Absicherung des Herstellers. Bei der Fertigung von laktosehaltigen und laktosefreien Lebensmitteln in einer gemeinsamen Produktionsstätte können Spuren von Milchzucker auch in ein an sich laktosefreies Produkt gelangen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Laktoseintoleranz

Laktase-Tabletten sind nicht schädlich, sollten jedoch nicht auf Verdacht verwendet werden. Sinnvoll ist ihre Einnahme nur, wenn die Notwendigkeit dafür durch einen Laktoseintoleranz-Test bestätigt wurde. Eine Überdosierung der Laktoseintoleranz-Tabletten ist nicht möglich. Überschüssige Laktase wird durch den Organismus wieder ausgeschieden.

Joghurt und andere Milchprodukte wie Kefir werden durch Bakterienkulturen erzeugt. Diese Bakterien ernähren sich von der Laktose, die in der Milch enthalten ist. Daher enthält Joghurt deutlich weniger Laktose als normale Milch. Er wird deshalb auch von Menschen mit Laktoseintoleranz oft gut vertragen. Allerdings gilt dies vor allem für Naturjoghurt. Industriell verarbeitetem Joghurt wird häufig Laktose zugesetzt.

Schleimiger und schmieriger Stuhl gehört oft zu den Begleiterscheinungen einer Laktoseintoleranz. Durch die Störung der Laktoseverwertung erhöht sich der Fettgehalt des Stuhls. Hierzu leisten unter anderem die durch die Darmbakterien erzeugten Fettsäuren einen Beitrag. Eine solche Beschaffenheit des Stuhls gehört daher zu den wichtigen Anzeichen von Laktoseintoleranz.

Ein Laktoseintoleranz-Test ist als Selbsttest zu Hause möglich. Die Basis dafür bilden ein Onlinefragebogen und ein Ernährungstagebuch – beides ist heute auch als App verfügbar. Durch den Fragebogen werden die Beschwerden analysiert. Das Ernährungstagebuch dient dazu, die auslösenden Lebensmittel und Situationen so exakt wie möglich zu erfassen. Ein Laktoseintoleranz-Test zu Hause ersetzt jedoch keine ausführliche medizinische Diagnostik.

Ärzten stehen diverse Verfahren zur Verfügung, um einen Laktoseintoleranz-Test durchzuführen. Neben dem H2-Atemtest und Bluttest können auch eine Biopsie oder ein Gentest als Laktoseintoleranz-Test durchgeführt werden.

Ignorieren Sie eine vorhandene Laktoseintoleranz, können verschiedene Symptome in unterschiedlichem Ausmaß auftreten. Unter anderem Darmprobleme wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall. Unwohlsein und Übelkeit sind weitere häufige Symptome. Aber auch unspezifische Symptome wie depressive Verstimmungen oder Kopfschmerzen können die Folge von ignorierter oder nicht diagnostizierter Laktoseintoleranz sein. Intensität und Dauer der Symptome fallen hier bei den Betroffenen unterschiedlich aus. Sind Sie sich nicht sicher, ob Sie an dieser Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden, können Sie dies mit einem Laktoseintoleranz-Test feststellen.

Haftungsausschluss und allgemeiner Hinweis zu medizinischen Themen: Die hier dargestellten Inhalte dienen ausschließlich der neutralen Information und allgemeinen Weiterbildung. Sie stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der beschriebenen oder erwähnten diagnostischen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Der Text erhebt weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch können die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden. Der Text ersetzt keinesfalls die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker und er darf nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer den Arzt Ihres Vertrauens!

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